Fidel Castro

Aula Magna der Zentraluniversität von Venezuela vor venezulanischen Studenten - Teil 5

"Verurteilt mich, die Geschichte wird mich freisprechen "

(Fidel Castro, Moncada-Prozess, Oktober 1953)


Rede in der Aula Magna der Zentraluniversität von Venezuela vor venezulanischen Studenten am 03.02.1999

Teil 5

Es gibt Völker, die besondere Eigenschaften und Bedingungen vereinen. Es handelt sich hierbei wirklich um verwurzelte und sehr eigenständige Kulturen, deren Erbe aus jahrtausendealten Vorläufern stammt, was eine enorme Widerstandsfähigkeit hervorbringt. In Kuba handelte es sich um eine Kultur, die zum größten Teil aus der Konfrontation mit einer feindselig werdenden Umwelt entstanden war, da wir von allen Seiten durch feindliche Regime, feindselige Kampagnen, Blockade und ökonomischen Druck jeder Art umzingelt waren und sind, was unsere revolutionäre Aufgabe außerordentlich verkompliziert hat. Sechs Jahre Kampf gegen die Banden, mit denen der mächtige Nachbar seine Taktiken des schmutzigen Krieges umsetzte, viele Jahre des Kampfes gegen Terroristen und Attentatspläne, das muß ich euch ja nicht erzählen. Ich will euch einzigst und allein sagen, daß ich mich sehr privilegiert fühle, weil ich nach 40 Jahren zu diesem für mich unvergessenen und geliebten Ort zurückkehren konnte (Beifall), und zwar als Beweis der Ineffizienz und des Scheiterns derer, die schon so viele Male versucht haben, an meiner Person den natürlichen und unvermeidbaren Prozeß des Todes vorwegzunehmen.

Jetzt können wir das sagen, was mir der Leutnant sagte, der mich einige Tage nach dem Sturm auf die Moncada-Festung im Morgengrauen in einem bei Santiago de Cuba gelegenen Wald gefangennahm. Wir hatten den Fehler begangen - immer gibt es einen Fehler -, in einem dort befindlichen kleinen mit Palmblättern bedeckten Unterstand zu schlafen, weil wir es leid waren, uns auf Steinen und Wurzeln auszuruhen. So kam es, daß uns ein glücklicherweise schwarzer Leutnant und einige blutrünstige Soldaten mit geschwollenen Arterien aufweckten, indem sie mit ihren Gewehren auf unsere Brust zielten, ohne daß sie wußten, wer wir waren. Wir waren noch nicht identifiziert worden. Zunächst erkannten sie uns nicht und fragten uns nach unseren Namen, worauf ich einen beliebigen Namen nannte. Vorsicht, was! (Lachen) Klugheit, nicht wahr? (Beifall) Vielleicht war es Intuition oder Instinkt. Ich kann euch versichern, daß ich keine Angst hatte, denn es gibt solche Momente im Leben, wenn sich einer bereits mit dem Tod abgefunden hat und dann mit umso mehr Ehre, Stolz und Würde reagiert.

Wenn ich meinen Namen genannt hätte, hätte es mehrmals geknallt und unsere kleine Gruppe wäre sofort ausgelöscht worden. Einige Minuten danach fanden sie in der Nähe zahlreiche Waffen, die einige Kampfgefährten dort liegengelassen hatten, welche körperlich nicht mehr in der Lage waren, weiterzukämpfen, wobei einige von ihnen verletzt waren, weshalb sie mit Zustimmung aller in die Stadt zurückkehrten, um sich dort direkt den Justizbehörden zu stellen. Wir waren drei, die blieben und die auf die beschriebene Art und Weise gefangengenommen wurden. Nur drei bewaffnete Kameraden!

Aber jener Leutnant - das habe ich öffentlich noch nie im Detail erzählt - beruhigte die Soldaten, bis ihm das fast nicht mehr gelang. Welch unglaubliche Sache! In dem Moment, als die Soldaten die Waffen der anderen Kameraden in der Nähe fanden, wurden sie fuchsteufelswild. Wir waren gefesselt und sie zielten auf uns mit den geladenen Gewehren. Aber dieser Leutnant bewegte sich hin und her, um seine Soldaten zu beruhigen, wobei er mit leiser Stimme wiederholte: "Ideen tötet man nicht, Ideen tötet man nicht." Was brachte jenen Mann dazu, das zu sagen?

Er war bereits ein reiferer Mann, der ein wenig in der Universität studiert und dort einige Kurse besucht hatte. Aber er hatte diese Idee im Kopf und spürte die Notwendigkeit, sie mit leiser Stimme zu äußern, als ob er mit sich selbst sprechen würde: "Ideen tötet man nicht". Gut, als ich diesen Mann also beobachtete und jene Haltung wahrnahm, wobei dies ein kritischer Moment war und es ihm nur mühsam gelang, jene wütenden Soldaten vom Schießen abzuhalten, erhob ich mich und sagte - nur zu ihm, selbstverständlich: "Leutnant, ich bin der und der, Hauptverantwortlicher für die Aktion. Nachdem ich ihr edelmütiges Verhalten gesehen habe, kann ich Sie nicht weiter täuschen. Ich will, daß Sie wissen, wen Sie als Gefangenen haben." Und der Mann sagt mir: "Sagen Sie es niemandem!". "Sagen Sie es niemandem!" (Beifall). Ich applaudiere jenem Mann, weil er mir innerhalb von einigen Stunden dreimal das Leben rettete.

Einige Minuten danach führten sie uns ab, wobei die Soldaten immer noch sehr gereizt waren. Als nicht weit von dort einige Schüsse fielen, gingen sie in Gefechtsposition und sagten uns: "Werft euch auf den Boden, werft euch auf den Boden!" Ich blieb stehen und sagte: "Ich werfe mich nicht auf den Boden!". Es erschien mir wie eine List, um uns zu eliminieren, weshalb ich erklärte: "Nein". Ich sagte es auch dem Leutnant, der darauf bestand, daß wir uns schützten. Ich wiederholte: "Ich werfe mich nicht auf den Boden, wenn ihr schießen wollt, schießt." Darauf sagte er mir - stellt euch mal vor, was er sagte: "Ihr seid sehr mutig, Jungs". Welch eine unglaubliche Reaktion!

Ich will nicht behaupten, daß er mir in diesem Moment das Leben rettete, sondern nur, daß er diese Geste zeigte. Danach kamen wir an der Hauptstraße an und sie luden uns auf einen Lastwagen. In der Nähe befand sich ein als sehr blutrünstig bekannter Kommandant, der bereits zahlreiche Kampfgefährten ermordet hatte und forderte, daß ihm die Gefangenen übergeben würden, worauf der Leutnant sich weigerte und sagte, daß dies seine Gefangenen seien und daß er sie nicht übergebe. Er setzte mich vorne in die Fahrerkabine. Der Kommandant wollte, daß man uns in die Moncada-Kaserne brachte, und der Leutnant übergab uns weder dem Kommandanten - hierbei rettete er uns zum zweiten Mal das Leben - noch brachte er uns in die Moncada-Kaserne. Er brachte uns zum in der Stadtmitte gelegenen Gefängnis und rettete uns damit zum dritten Mal das Leben. Ihr seht schon, er war ein Offizier der Armee, gegen die wir kämpften. Nach dem Sieg der Revolution beförderten wir ihn zum Hauptmann und er wurde Assistent des ersten Präsidenten des Landes nach dem Sieg.

So wie dieser Leutnant sagte, daß man die Ideen nicht tötet (Beifall), so starben unsere Ideen nicht und konnten von niemandem getötet werden. Und die Ideen, die wir in den mehr als 30 Jahren bis etwa 1991, als die Spezialperiode begann, säten und entwickelten, haben uns die Kraft gegeben, zu widerstehen. Ohne jene Jahre, die wir für die Bildung und die Verbreitung von Ideen, Bewußtsein, Gefühlen von tiefer Solidarität und einem edelmütigen internationalistischen Geist im Schoß der Bevölkerung verwendet haben, hätte unser Volk keine Kräfte gehabt, um zu widerstehen.

Ich spreche von Dingen, die ein wenig mit sehr komplizierten Fragen der politischen Strategie zusammenhängen, denn sie können auf die eine oder andere Weise interpretiert werden und ich weiß sehr gut, was ich ausdrücken will. Ich habe dargelegt, daß nicht einmal eine Revolution wie die unsere mit der Unterstützung von mehr als 90% der Bevölkerung, einem einmütigen und enthusiastischen Rückhalt, einer großen nationalen Einheit und einer gewaltigen politischen Stoßkraft hätte widerstehen können, und daß wir die Revolution unter den aktuellen Umständen dieser globalisierten Welt nicht hätten bewahren können.

Gerade heutzutage sind wir in einen großen Kampf der Ideen verwickelt, so daß unsere Arbeit in der Übermittlung von Ideen in alle Welt besteht. Heutzutage würde es uns nicht einfallen, jemandem zu sagen, daß er eine Revolution wie die unsere machen sollte, da wir ausgehend von den uns gut bekannten Umständen und den daraus resultierenden Bewertungen nicht vorschlagen könnten, daß andere das gleiche wie wir machen sollen. Wenn wir uns in einer anderen Epoche befänden, würden wir vielleicht vorschlagen, dasselbe wie wir zu tun, doch in der damaligen Zeit war die Welt eine andere und die Erfahrungen waren verschieden. Wir haben jetzt sehr viel mehr Kenntnisse und ein größeres Problembewußtsein, und selbstverständlich stehen für uns der Respekt und die Besorgnis für die Mitmenschen immer an erster Stelle.

Zu Zeiten der revolutionären Bewegungen in Mittelamerika, als die Situation sehr schwierig geworden war, weil bereits die unipolare Welt existierte und nicht einmal die Revolution in Nicaragua die Macht behaupten konnte, wurde viel über Friedensverhandlungen debattiert und diese Revolutionäre besuchten uns oft, um uns um unsere Meinung zu fragen, denn sie waren seit langem mit Kuba befreundet. Wir sagten ihnen: "Bittet uns nicht um unsere Meinung darüber. Wenn wir an eurer Stelle wären, wüßten wir, was zu tun wäre oder wir könnten darüber nachdenken, was zu tun sei. Aber man darf anderen keine Ratschläge erteilen, wenn diese selbst Meinungen oder Kriterien anwenden müssen, die Aspekte von so lebenswichtiger Bedeutung betreffen wie die Frage, ob bis zum Tod weitergekämpft oder verhandelt werden soll. Das können nur die Revolutionäre selbst in jedem Land entscheiden. Wir unterstützen jede Entscheidung, die ihr trefft." Das war eine einzigartige Erfahrung und ich erzähle auch davon hier zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Jeder hat bestimmte Optionen, aber niemand hat das Recht, anderen seine eigene Philosophie bei Fragen von Leben und Tod zu vermitteln. Deshalb betone ich, daß es so heikel ist, Ratschläge zu erteilen.

Anders verhält es sich im Fall von Kriterien, Standpunkten, Meinungen, Taktiken und empfehlenswerten Kampfstrategien in bezug auf globale Fragen, die den Planeten betreffen. Als Bürger der Welt und Mitglieder der menschlichen Spezies haben wir das Recht, jedem mit vollkommener Klarheit unser Denken zu vermitteln, der dies hören will, sei er Revolutionär oder nicht.

Seit langer Zeit schon haben wir gelernt, wie die Beziehungen zu den fortschrittlichen und revolutionären Kräften aussehen müssen. Hier vor euch beschränke ich mich darauf, Ideen, Überlegungen und Konzepte zu vermitteln, die mit unserem gemeinsamen Status als lateinamerikanische Patrioten zu vereinbaren sind, weil ich, wie ich wiederhole, den Anbruch einer neuen Stunde in Venezuela sehe, das ein unverrückbarer und untrennbarer Pfeiler der Geschichte und Zukunft Lateinamerikas ist. Man hat das Recht, auf die Erfahrung oder seinen Standpunkt zu vertrauen, nicht weil wir unfehlbar oder etwas dergleichen wären oder weil wir keine Fehler begangen hätten, sondern weil wir die Gelegenheit gehabt haben, lange Zeit in der Akademie von 40 Jahren Revolution zu studieren.

Deshalb hatte ich euch gesagt, daß ihr keineswegs eine katastrophale Situation oder etwas dergleichen durchlebt, wenn es auch sehr wohl eine schwierige wirtschaftliche Situation ist, die Risiken für das beinhaltet, was wir zu erkennen glauben.

Es gibt einige beeindruckende Zufälligkeiten. Diese Situation in Venezuela entstand während einem kritischen Zeitpunkt für die Integration Lateinamerikas. Es ist ein besonderer Moment, bei dem die südlicheren Länder für ihre Vereinigungsanstrengung die Hilfe der Länder des Nordens von Südamerika benötigen (Beifall), das bedeutet, daß sie eure Hilfe brauchen. Es ist der Augenblick gekommen, daß die Karibik eure Hilfe braucht. Es ist der Moment gekommen, da ihr eine Verbindung, Brücke, Scharnier - wie immer ihr es nennen wollt - oder Stahlbrücke zwischen der Karibik, Zentralamerika und Südamerika sein könnt. Niemand verfügt über solche Vorraussetzungen wie ihr, um in diesen schwierigen Zeiten für etwas so wichtiges und erstrangiges zu kämpfen wie die Einheit, die Integration und falls ihr wollt, sagen wir sogar das Überleben, nicht nur von Venezuela, sondern aller Länder unserer Kultur, unserer Sprache und unserer Rasse (Beifall).

Heute muß man mehr als je zuvor Anhänger Bolívars sein und die Fahne hissen, auf der steht, daß Vaterland Menschheit bedeutet, wobei wir uns darüber bewußt sind, daß wir uns nur retten können, wenn sich die Menschheit rettet (Beifall), und daß wir nur frei sein können, wenn die Menschheit frei ist, wovon wir jedoch noch sehr weit entfernt sind. Wenn wir wirklich eine gerechte Welt erreichen wollen, was möglich und wahrscheinlich ist, so bin ich, wenn auch durch Erkennen, Überlegen und Lesen, zu der Schlußfolgerung gekommen, daß der Menschheit nicht viel Zeit bleibt, um dies zu schaffen.

Ich gebe euch nicht nur mein Kriterium, sondern das von vielen Experten, deren Analysen ich zusammengetragen habe. Wir veranstalteten vor kurzem einen Kongreß mit 1.000 Wirtschaftswissenschaftlern, von denen 600 aus mehr als 40 Ländern kamen und worunter sich viele herausragende Persönlichkeiten befanden. Wir diskutierten mit ihnen die Vorträge, wobei über 55 eingeplante Vorträge Diskussionen abgehalten wurden. Man debattierte über die Probleme der neoliberalen Globalisierung, die internationale Wirtschaftskrise und die damit zusammenhängenden Geschehnisse. Denn ich hätte anfügen müssen, daß ich leider nicht viel Hoffnung habe, daß die Preise für eure Exportprodukte im nächsten Jahr oder in den nächsten zwei oder drei Jahren ansteigen.

Wir haben auch das Problem mit dem Nickel, dessen Preis um die Hälfte gefallen ist. Stellt euch vor, der Preis betrug noch vor kurzem 8.000 Dollar pro Tonne und jetzt liegt er bei 4.000 Dollar. Der Zuckerpreis lag vor zwei Tagen bei 6,5 Cents, was nicht einmal die Produktionskosten und die Ausgaben für Brennstoffe, Ersatzteile, Arbeitskraft, produktive Inputs etc. abdeckt. Das ist nicht nur ein ökonomisches, sonderm auch ein soziales Problem, denn Hunderttausende von Arbeitern leben an diesen Orten mit großer Liebe zu ihrer Arbeit und verwurzelten Traditionen der Zuckerproduktion, die von Generation zu Generation weitervermittelt wurden, und wir werden diesen Menschen nicht die Fabriken schließen, auch wenn die Zuckerproduktion in diesem Moment sehr wohl Verluste einfährt.

Wir haben einige Ressourcen. Der Tourismus, der hauptsächlich mit unseren eigenen Mitteln entwickelt wurde, hat in diesen Jahren einen großen Aufschwung verzeichnet und wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die effektiv waren. Ich werde euch nicht erklären, wie wir es zustandegebracht haben, alle die bereits erwähnten Ergebnisse ohne Maßnahmen wie die berühmten Schocktherapien zu erreichen, die mit solch großer Gefühllosigkeit in anderen Ländern angewendet wurden, sondern stattdessen mit Sparmaßnahmen, die mit der gesamten Bevölkerung abgestimmt waren. Bevor die Entscheidungsträger ins Parlament gingen, wandten sie sich an das Volk und diskutierten in Tausenden von Versammlungen mit allen Gewerkschaften, allen Arbeitern, allen Bauern und allen Studenten darüber, was mit einem bestimmten Preis zu geschehen habe, welcher angehoben werden müsse und welcher nicht und aus welchen Gründen dies jeweils zu geschehen habe. Danach gingen sie in die Nationalversammlung und kehrten danach nochmals zur Basis zurück, wo jede getroffene Maßnahme diskutiert wurde, weil das, was angewendet wird, ein Produkt des Konsens ist. Das kann niemand durch Gewalt erreichen.

Die Schlaumeier im Norden glauben oder geben vor zu glauben, daß eine Kubanische Revolution nur durch Gewalt existiert. Sie haben nicht genügend Grips, um zu bemerken, daß so etwas in unserem Land, dessen Bewohner durch erhabene revolutionäre und menschliche Konzepte gebildet wurden, unmöglich wäre, absolut unmöglich (Lachen und Beifall). Das erreicht man nur durch Konsens und sonst nichts weiter. Dies kann niemand auf der Welt schaffen, wenn er nicht auf die maximale Unterstützung und Kooperation des Volkes bauen kann. Aber der Konsens hat seine Voraussetzungen. Wir haben gelernt, ihn zu schaffen, beizubehalten und zu verteidigen. Man muß also erkennen, was die Kraft eines geeinten Volkes ist, das bereit ist, zu kämpfen und zu siegen.

Einmal gab es einen kleinen Tumult, der seinem Wesen nach keinen politischen Charakter hatte. Das war in dem Moment, als die Vereinigten Staaten mit allen Mitteln die illegale Ausreise in Richtung ihres Territoriums förderten. Dort erhielten die Kubaner das automatische Aufenthaltsrecht - was sie keinem Bürger eines anderen Landes der Welt gewährten -, so daß jedermann angeregt wurde, ein Floß zu bauen, daß sogar noch sicherer als die 'Kon-Tiki' war, um damit mithilfe des Golfstroms in das wohlhabende Land zu reisen, oder ein Motorboot zu benutzen, denn es gibt viele Leute, die Sportboote besitzen. Die Yankees empfingen sie mit allen Ehren. Sie stahlen Boote und wurden dort wie Helden aufgenommen.

Im Zusammenhang mit dem zu Auswanderungszwecken geplanten Raub eines Passagierbootes im Hafen von Havanna gab es einen Vorfall, bei dem es zu einer gewissen Störung der öffentlichen Ordnung aufgrund des Problems mit den Booten kam und bei dem einige Personen anfingen, mit Steinen Scheiben einzuwerfen. Was war nun unsere Methode? Niemals haben wir einen Soldaten oder Polizisten gegen Zivilpersonen eingesetzt. Nie gab es hier Feuerwehrautos, die kräftige Wasserstrahle auf Menschen richteten, wie dies selbst in Europa fast jeden Tag in den Fernsehbildern zu sehen ist, oder Polizisten mit taucheranzugähnlichen Ausrüstungen, die scheinbar zu einer Reise ins Weltall aufbrechen (Lachen und Beifall). Nein, es ist der Konsens, der die Revolution aufrechterhält und ihr Kraft verleiht.

Ich erinnere mich, daß ich an jenem Tag um die Mittagszeit in mein Büro kam und die Nachricht erhielt. Ich rief die Leibwächter, die Waffen trugen, zu einer Versammlung zusammen und sagte ihnen: "Wir werden zum Ort der Ausschreitungen gehen. Es ist strengstens verboten, Waffen einzusetzen!" Ich bevorzugte wirklich, daß sie auf mich schossen, als daß Waffen in einer Situation dieser Art eingesetzt würden, weshalb ich ihnen kategorische Anweisungen erteilte und sie danach mit äußerster Disziplin mit mir zusammen dorthin gingen.

Wie lange dauerten die Ausschreitungen noch an, nachdem wir dort ankamen? Eine Minute, vielleicht Sekunden. Die Anwohner standen auf ihren Balkonen, sie stellten die Mehrheit der Versammelten dar - aber sie schienen ein wenig niedergeschmettert und überrascht zu sein. Einige asoziale Elemente warfen Steine und plötzlich geschah es, daß die gesamte Menschenmasse sich in Bewegung setzte und selbst die Steinewerfer anfingen, zu applaudieren. Man muß sich mal vorstellen, wie eindrucksvoll das war. Die Reaktion des Volkes, als es von einer gegen die Revolution gerichteten Aktion erfährt!

Gut, ich hatte vor, zum Museum der Stadt Havanna zu gelangen, wo sich der Stadthistoriker befand. Ich fragte mich: "Wie geht es wohl Leal? Man sagte, daß er im Stadtmuseum belagert sei. Doch schon nach wenigen Straßenzügen gelangten wir in Begleitung einer großen Menschenmenge in die Nähe der Malecon-Uferpromenade und stellten dort keinerlei Anzeichen von Gewaltanwendung fest. Ich hatte angeordnet: "Keine Einheit, keine Waffe und kein Soldat darf bewegt werden." Wenn es Vertrauen im Volk gibt und ihm mit Moral begegnet wird, muß man niemals Waffen einsetzen. In unserem Land haben wir nie Waffen eingesetzt (Beifall).

Was man folglich benötigt, ist die Einheit, politische Kultur und die bewußte und entschiedene Unterstützung des Volkes. Wir konnten dies in langen Jahren der Arbeit erreichen. Ihr, die Venezolaner, könnt das weder in einigen Tagen noch in einigen Monaten schaffen.

Wenn hier anstatt eines alten Freundes, dem ihr die so große Ehre erwiesen habt, ihn mit viel Zuneigung und Vertrauen zu empfangen, wenn also anstatt dieses alten und bescheidenen Freundes - das sage ich in aller Offenheit und mit absoluter Überzeugung - einer der Väter des venezolanischen Vaterlandes vor euch stehen würde, und ich gehe sogar noch weiter, wenn jener Mann von so bedeutender Größe und Fähigkeit, der die Einheit Lateinamerikas erträumte, hier in diesem Augenblick zu euch spräche, würde er euch sagen: "Rettet diesen Prozeß! Rettet diese Gelegenheit!" (Langer Beifall)

Ich glaube, daß ihr glücklich sein könnt und euch angesichts der vielen zu verwirklichenden Dinge glücklich fühlen werdet. Viele dieser Dinge sind greifbar nahe und hängen nur von subjektiven Faktoren und sehr wenigen Mitteln ab. Das haben wir gemacht, aber man kann hierbei wirklich nicht auf viele Mittel zählen. Einige kleine Summen und Restbeträge genügen, um zu verstehen. Ihr könnt bei vielen Dingen Geldmittel auftreiben, um vorrangige, grundsätzliche und wesentliche Probleme in Angriff zu nehmen. Aber man kann nicht einmal davon träumen, daß die venezolanische Gesellschaft einstweilen wieder über die Mittel verfügt, die sie in einem bestimmten Moment hatte und die ihr damals unter sehr unterschiedlichen Umständen zuflossen. Heute befindet sich die Welt in einer Krise und die Preise der Exportgüter sind extrem niedrig. Der Feind würde versuchen, dies auszunutzen.

Ihr könnt sicher sein, daß unsere Nachbarn aus dem Norden weder glücklich über den Prozeß sind, der in Venezuela stattfindet (Beifall), noch ihm Erfolg wünschen.

Ich bin nicht hierher gekommen, um Zwietracht oder etwas dergleichen zu säen. Im Gegenteil, ich würde sogar zu Weisheit gepaart mit Vorsicht raten, gepaart mit der notwendigen Vorsicht, die notwendige und nicht mehr als die notwendige. Aber ihr müßt geschickte Politiker und sogar geschickte Diplomaten sein. Ihr dürft nicht viele Leute erschrecken. Mehr aufgrund meines Alters als aus teuflichen Motiven schlage ich euch vor, so wenig Leute wie möglich aus dem Prozeß auszuschließen (Lachen und Beifall).

Bei einer Transformation, einem Wechsel und einer Revolution in ihrem heutigen Wortsinn, wenn man über das Stück Erde, auf dem wir geboren wurden, hinaussieht, muß man Menschen einbeziehen. Integriert und schließt nicht aus. Schaut, jener Leutnant, welcher den Trupp befehligte, der mich gefangennahm, integrierte sich und blieb nicht außen vor (Beifall). Ich war fähig, diesen Mann so zu verstehen, wie er war. Und so habe ich eine ganze Reihe von Menschen in meinem Leben zu erkennen gelernt, man könnte sogar sagen, daß es viele waren.

Es ist zwar wahr, daß der soziale Status und die soziale Situation am meisten zur Herausbildung des Bewußtseins der Leute beiträgt, doch ich war letztendlich der Sohn eines Großgrundbesitzers, der gemessen an der Größe Kubas - im Fall Venezuelas vielleicht nicht - viel Land besaß, wobei er über etwa 1.000 Hektar eigenes Land und 10.000 Hektar von ihm bewirtschaftetes Pachtland verfügte. Er wurde in Spanien geboren und als junger und armer Bauer auf die Insel gebracht, um gegen die Kubaner zu kämpfen.

Kürzlich veröffentlichte jemand in einer nordamerikanischen Zeitschrift einen sehr harten gegen Spanien gerichteten Artikel, in dem er versuchte, die Spanier zu beleidigen, da er verärgert darüber war, daß diese ihre Investitionen in Lateinamerika steigerten. Man sah, daß sie in den Vereinigten Staaten wütend waren, alles für sich beanspruchten und nicht wollten, daß auch nur eine Pesete in diesen Gefilden, und weniger natürlich in Kuba, investiert würde. Sie schrieben unter anderem: "Trotz seiner Angriffe auf den Imperialismus ist Fidel Castro ein Bewunderer der 'reconquista'." Sie stellten das Ganze als eine Wiedereroberung der Spanier dar, weshalb der Titel des Artikels "Auf der Suche nach dem neuen El Dorado" lautete, und in einem Moment ihres furiosen Angriffs fügten sie hinzu: "Der kubanische Regierungschef, Sohn eines während des Unabhängigkeitskrieges auf der falschen Seite kämpfenden spanischen Soldaten, kritisiert die Wiedereroberung nicht."

Ich denke an meinen Vater, der mit etwa 16 oder 17 Jahren in Spanien rekrutiert und gemäß den damaligen Gepflogenheiten nach Kuba geschickt wurde, wo er in einer spanischen Festungslinie eingesetzt wurde. Kann man meinen Vater wirklich beschuldigen, auf der falschen Seite gekämpft zu haben? Nein. Er kämpfte auf jeden Fall auf der richtigen Seite, auf der Seite der Spanier. Was wollten sie? Daß mein Vater in Marxismus, Internationalismus und Millionen anderen Dingen hätte bewandert gewesen sein müssen, wo er doch kaum Lesen und Schreiben konnte? (Beifall) Ja, sie erfassten ihn fürs Militär, aber ich habe darüber nachgedacht und bin zu dem Schluß gekommen, daß er in jedem Fall auf der richtigen Seite kämpfte, und daß die Verfasser der Yankee-Zeitschrift im Irrtum sind. Denn wenn er auf der Seite der Kubaner gekämpft hätte, wäre er auf der falschen Seite gewesen, weil Kuba nicht sein Land war und er weder etwas von der ganzen Problematik wußte noch die Gründe verstand, warum die Kubaner kämpften. Er war ein einfacher Rekrut und wurde wie Hunderttausende von anderen hierhergebracht. Nach dem Ende des Krieges repatriierten sie ihn nach Spanien, von wo er kurz darauf nach Kuba zurückkehrte, um dort als Landarbeiter zu arbeiten.

Später entwickelte sich mein Vater zu einem Großgrundbesitzer. Ich wurde in einem Latifundium geboren und wuchs dort auf, was mir nicht geschadet hat, da es mir den Kontakt zu meinen ersten Freunden ermöglichte, den armen Jungen des Ortes, die Söhne von Lohnarbeitern und bescheidenen Bauern waren - alle Opfer des kapitalistischen Systems. Später absolvierte ich eher als Eliteschulen zu bezeichnende Bildungseinrichtungen, aber ich bestand glücklicherweise gut. Ich sage wirklich glücklicherweise. Ich hatte das Glück, der Sohn und nicht der Enkel des Großgrundbesitzers zu sein, denn als Enkel wäre ich möglicherweise in irgendeiner Stadt geboren worden und zwischen reichen Kindern in einem noblen Viertel aufgewachsen. Nie hätte ich später meine Ideale eines utopischen Kommunisten, marxistischen Kommunisten oder etwas ählichem ausprägen können, denn im Leben wird niemand als Revolutionär, Dichter, Soldat oder etwas dergleichen geboren, weil es die Umstände sind, die den Menschen prägen und ihm die Möglichkeit geben, das eine oder das andere zu sein.

Wäre Kolumbus ein Jahrhundert vorher geboren worden, hätte niemand je etwas von Kolumbus gehört. Spanien war damals zum Teil noch von den Arabern besetzt. Wenn Kolumbus sich nicht geirrt und wirklich ein direkter Seeweg nach China existiert hätte, ohne auf einen unvorhersehbaren Kontinent zu stoßen, wäre er an den Küsten Chinas kaum mehr als 15 Minuten am Leben geblieben, denn wenn die Spanier Kuba auch mit 12 Pferden eroberten, so verfügten die Mongolen schon zu jener Zeit über berittene Heere mit Hundertausenden von Soldaten (Beifall). Stellt euch mal vor, so liegen die Dinge also.

Über Bolívar sage ich nichts, denn Bolívar wurde am richtigen Ort geboren, zur richtigen Stunde und auf die richtige Art und Weise, und jetzt Schluß damit! (Beifall) Ich lasse die Hypothese dessen beiseite, was geschehen wäre, wenn er 100 Jahre vorher oder 100 Jahre danach geboren worden wäre, denn das war unmöglich (Lachen) (Aus dem Publikum wird ihm zugerufen: "Che").

Che? Che war in jeder Sekunde meiner Rede hier anwesend und hat von hier aus gesprochen! (Langer Beifall)

Jetzt werde ich doch zum Schluß kommen. Da gibt es einige Industrielle, die mich erwarten (Lachen). Wie verändere ich denn jetzt die Rede? Nun, schaut, ich werde ihnen das gleiche erzählen, vor allen Dingen mit äußerster Offenheit (Lachen). Ich glaube, daß es in diesem Land für alle anständigen Menschen einen Platz gibt, für alle sensiblen Menschen und für alle, die fähig sind, die Botschaft des Vaterlandes und der aktellen Notwendigkeiten anzuhören. Ich würde sagen, daß dies die Botschaft der Menschheit ist, und daß ihr diese euren Landsleuten vermitteln müßt.

Ich erzählte euch ja bereits von einem Treffen, an dem 600 Wirtschaftswissenschaftler aus zahlreichen Ländern teilnahmen. Es kamen viele intelligente Leute der unterschiedlichsten Denkschulen und wir analysierten alle diese Probleme von Grund auf. Wir wollten keine sektiererische Versammlung der Linken oder der Rechten veranstalten, so daß wir sogar Friedman einluden, aber mit seinen 82 Jahren entschuldigte er sich natürlich und sagte, daß er nicht kommen könne. Sogar Herrn Soros luden wir ein, damit er dort seine Standpunkte verteidigen könne, ebenso wie die Chicago-Boys, die Monetaristen und die Neoliberalen, denn wir wollten diskutieren und es wurde in der Tat 5 Tage lang diskutiert - es begann am Montag und endete am Freitag.

Dieses Treffen entstand aus einem Vorschlag, den ich während einer früheren Versammlung der lateinamerikanischen Wirtschaftswissenschaftler machte. Es wurde damals von vielen Dingen gesprochen und ich sagte ihnen: "Aber warum konzentrieren wir uns nicht angesichts der Probleme, die wir jetzt vor uns haben, auf die Wirtschaftskrise und die Aspekte der neoliberalen Globalisierung?" Und so wurde es gemacht. Aus den Hunderten von eingeschickten Referaten wählte man 55 aus, die alle debattiert wurden. Diejenigen, die nicht diskutiert wurden, werden gedruckt. Die Referate waren sehr interessant und lehrreich. Wir wollen dieses Treffen jetzt jedes Jahr abhalten. Da es ja dort in Davos bereits ein Forum gibt, wo sich eine große Anzahl von Repräsentanten der transnationalen Konzerne und aller Reichen dieser Welt treffen, kann Kuba ein bescheidener Ort sein, an dem wir uns versammeln, die wir keine Besitzer von transnationalen Konzernen oder ähnlichem sind. Aber wir werden das Treffen ausgehend von den gemachten Erfahrungen jetzt jedes Jahr veranstalten.

Ich mußte die Abschlußrede jenes Treffens halten. Wir hatten vorher gesagt:"Paßt auf, es wird hier keine einzige Gitarre am Anfang dieses Treffens geben, denn immer beginnen Veranstaltungen dieser Art, wie ihr wißt, mit einer Gitarre, einem Chor...."

Ah, na gut, hier ist ein Chor aufgetreten, sehr gut, ein sehr guter Chor (Lachen).

Aber ich sagte ihnen, daß dies ab dem Zeitpunkt gelte, als das Treffen pünktlich mit der Diskussion des ersten Vortrages beginnen sollte. Und so haben wir 5 Tage diskutiert, morgens, mittags und abends.

Sie gaben mir die Aufgabe, jenes Treffen abzuschließen, und ich sprach zu ihnen, um die Veranstaltung abzuschließen. Es war bereits gegen Mitternacht. Wenn ihr mir erlaubt, denn es handelt sich nur um einige Minuten, weil es eine sehr kurze Rede war (Lachen), möchte ich hier jetzt das wiederholen, was ich damals vortrug, denn es faßt in sehr komprimierter Form die Essenz von vielen Dingen zusammen, die ich euch erzählt habe:

"Sehr geehrte Delegierte, Beobachter und Gäste:

Da Sie mir diese Ehre erwiesen haben, werde ich keine Rede halten, sondern mich auf den Vortrag eines Referates beschränken. Ich mache dies im Telegrammstil und es handelt sich zum Großteil um einen Dialog mit mir selbst.

Juli: Treffen der Wirtschaftswissenschaftler Lateinamerikas und der Karibik. Thema: Schwerwiegende Weltwirtschaftskrise in Sicht. Notwendigkeit der Einberufung einer internationalen Konferenz. Hauptthema: Die Wirtschaftskrise und die neoliberale Globalisierung.

Breite Debatte.

Alle Denkschulen.

Austausch von Argumenten.

Es wurde in diese Richtung gearbeitet.

Größtmögliche Reduzierung der Ausgaben für alle Teilnehmer.

Arbeitssitzungen am Morgen, Nachmittag und Abend.

Diese fünf Tage waren von einer außergewöhnlichen Ernsthaftigkeit und Disziplin bestimmt.

Alle sprachen wir mit absoluter Freiheit. Das haben wir geschafft und sind dankbar dafür.

Wir haben viel beim Zuhören ihrer Beiträge gelernt.

Große Vielfalt und Verschiedenheit von Ideen. Außerordentliche intellektuelle Demonstration von Fleiß, Talent, Klarheit und sprachlicher Schönheit.

Alle haben wir Überzeugungen.

Alle können wir aufeinander einwirken.

Alle gelangen wir auf lange Sicht zu ähnlichen Schlußfolgerungen.

Meine tiefsten Überzeugungen: die unglaubliche und noch unvollendete Globalisierung, die uns beschäftigt, ist ein Produkt der geschichtlichen Entwicklung und eine Frucht der menschlichen Zivilisation. Sie wurde im sehr kurzen Zeitraum von nicht mehr als 3.000 Jahren während des langen Lebens unserer Vorfahren auf dem Planeten erreicht. Der Mensch von heute ist nicht intelligenter als Perikles, Plato oder Aristoteles, auch wenn wir noch nicht wissen, ob er genügend intelligent ist, um die äußerst komplexen Probleme der Gegenwart zu lösen. Wir wetten darauf, daß er es schafft. Darum ging es bei unserem Treffen.

Eine Frage: Handelt es sich um einen umkehrbaren Prozess? Meine Antwort, die ich mir selbst gebe, lautet: Nein.

Was für eine Art von Globalisierung haben wir heute? Eine neoliberale Globalisierung, wie viele von uns sie nennen. Ist sie tragbar? Nein. Kann sie lange Zeit bestehen? Absolut nicht. Ist dies eine Frage von Jahrhunderten? Ein kategorisches Nein. Wird sie nur Jahrzehnte andauern? Ja, nur Jahrzehnte. Aber eher früher als später wird sie aufhören, zu existierten.

Halte ich mich etwa für eine Art von Prophet oder Hellseher? Nein. Verstehe ich viel von Ökonomie? Nein. Fast gar nichts. Um das zu bekräftigen, was ich sagte, reicht es, summieren, substrahieren, multiplizieren und dividieren zu können." (Beifall) "Das lernen die Schüler in der Grundschule.

Wie wird der Übergang aussehen? Wir wissen es nicht. Durch weitreichende gewaltsame Revolutionen oder große Kriege? Das erscheint unwahrscheinlich, irrational und selbstmörderisch. Durch tiefgehende und katastrophale Krisen? Leider ist dies das Wahrscheinlichste, fast unvermeidbar, und es wird in verschiedenen Ausprägungen und Kampfformen vonstattengehen. Was für eine Art von Globalisierung wird danach kommen? Es kann keine andere sein als eine solidarische, sozialistische, kommunistische oder wie auch immer Sie sie nennen wollen." (Beifall)

"Verfügt die Natur und mit ihr die menschliche Spezies über viel Zeit, um das Ausbleiben eines solchen Umbruchs zu überleben? Sie verfügt über sehr wenig Zeit. Wer wird diese neue Welt schaffen? Die Männer und Frauen, die unseren Planeten bewohnen.

Welches werden die wichtigsten Waffen sein? Die Ideen und Überzeugungen. Wer wird diese säen, pflegen und unbesiegbar machen? Sie. Handelt es sich um eine Utopie und nur einen Traum mehr unter vielen anderen? Nein, weil es objektiv unvermeidbar ist und keine Alternative dazu existiert. Es wurde schon vor nicht allzu langer Zeit erträumt, wenn es auch damals vielleicht auch verfrüht war. So wie es der erleuchtetste Sohn dieser Insel, José Martí, ausdrückte: 'Die Träume von heute werden die Realitäten von morgen sein.'

Ich habe mein Referat beendet.

Vielen Dank." (Langer Beifall)

Entschuldigt den Mißbrauch, den ich mit euch getrieben habe. Ich verspreche, daß ich mich kürzer fassen werde, wenn ihr mich in 40 Jahren wieder einladet (Beifall und Rufe: "Fidel, Fidel, Fidel!")

Glück für euch, daß ich nicht diese berühmte Broschüre erwähnt habe. Wißt ihr, was das war? Das Dokument der Synode von Rom, das in Mexiko veröffentlicht wurde (Aus dem Publikum wird ihm etwas gesagt). Ich werde es nicht vorlesen, aber ein Großteil der Dinge, die ich bei der Lektüre dieser apostolischen Bußpredigt unterstrich, stimmen mit vielen Ideen überein, die ich hier vorgetragen habe. Ich wollte es als Beweis dafür benutzen, daß vieles von dem, was heutzutage auf der Welt über das zerstörerische herrschende System gedacht wird, nicht nur aus Quellen der Linken oder politischen Quellen stammt. Die Argumente, Empfehlungen oder Behauptungen, welche Armut, Ungerchtigkeiten, Ungleichheiten, Neoliberalismus, Verschwendungssucht der Konsumgesellschaften und viele andere soziale und menschliche Abscheulichkeiten verurteilen, die von der aktuellen der Welt aufgezwungenen Wirtschaftsordnung erzeugt werden, kommen auch von marxismusunverdächtigen Institutionen wie der Römisch-Katholischen Kirche. Genauso denken auch viele andere christliche Kirchen.

Vielleicht wäre es das Beste gewesen, wenn ich mit diesem Dokument gekommen wäre, das Unterstrichene vorgelesen hätte und ihr viereinhalb Stunden früher hättet gehen können (Lachen).

Vielen Dank.

(Ovationen)

Quelle: "www. cuba. cu".


Die Rede dauerte über 4 Stunden. Für die Übersichtlichkeit ist Sie hier auf unterschiedliche Seiten verteilt.

Vorwort

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5